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Freitag, 20. Mai 2011

Soziale Netzwerke: Pril-Wettbewerb endet im PR-Debakel - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt

Pril-Wettbewerb endet im PR-Debakel

Von Jörg Breithut

Gewinner-Designs: Teilnehmer werfen Henkel vor, die Abstimmung manipuliert zu haben
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Gewinner-Designs: Teilnehmer werfen Henkel vor, die Abstimmung manipuliert zu haben

Der Wettbewerb ist zu Ende, die Teilnehmer sind wütend: Das Unternehmen Henkel hat mit der Spülmittel-Aktion viele Internetnutzer vergrätzt. Das Unternehmen legte die Spielregeln verschärft aus während der Wettbewerb lief - und vernachlässigte den Dialog mit den Mitgliedern.

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Montag, 4. Oktober 2010

WeTab mit neuem PR-Debakel: Ankershoffen tritt zurück #wetab #wedepp

WeTab-Chef gesteht Eigenlob unter falschem Namen

"WeDepp"-Debakel: Ankershoffen tritt zurück

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Das selbst gemachte PR-Debakel bei der WeTab-Firma ist mal wieder perfekt. Firmenchef Helmut Hoffer von Ankershoffen hat zugegeben, bei Amazon unter falschem Namen Lobhudeleien für den viel kritisierten Tablet-PC der Firma, das WeTab, veröffentlicht zu haben. Ankershoffen in einer Stellungnahme: "Dafür möchte ich mich an dieser Stelle entschuldigen!" Er hat die Konsequenzen gezogen und ist zurückgetreten. Dem Thema WeTab wird ein weiteres peinliches Kapitel hinzugefügt.

Es war kaum zu glauben, was der Technik-Blogger Richard Gutjahr am Wochenende da aufgeschrieben hatte: Bei Amazon waren lobhudlerische Nutzer-Rezensionen für das von der Fachpresse vielfach gescholtene WeTab aufgetaucht ("sehr, sehr gut") Allerdings führte das Pseudonym des vermeintlich begeisterten WeTab-Nutzers auf die Amazon-Wunschliste von WeTab-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen. Gutjahr prägte dafür den Begriff "WeDepp"-Debatte.

Zwar war theoretisch eine arglistige Täuschung möglich, aber wahrscheinlich schien das nicht. Zudem eine weitere euphorische Nutzer-Rezension bei Amazon auf die Wunschliste von Ankershoffens Frau führte. Jetzt hat der WeTab-Chef das Lob in eigener Sache zugegeben. Er habe die Bewertungen bei Amazon privat verfasst, ohne Rücksprache mit der übrigen Geschäftsführung oder der Kommunikationsabteilung. Es sei ein Fehler gewesen. Ankershoffen: "Dafür möchte ich mich an dieser Stelle entschuldigen!"

Der Vorgang ist der vorläufige Höhepunkt in einer nicht abreißenden Abfolge an Pannen und Peinlichkeiten rund um den Möchtegern-iPad-Konkurrenten WeTab. Zunächst wurden immer wieder nicht funktionierende Geräte vorgestellt, dann verzögerte sich die Auslieferung um Monate. Schließlich kam das Gerät offenbar mit zahlreichen Problemen behaftet auf den Markt. 

Nach dem Ausscheiden von von Ankershoffen aus der WeTab GmbH ist Tore Meyer alleiniger Chef des unglückseligen Tablet-PCs. Er ist zudem Chef der Münchner Firma 4tiitoo, die das Wetab zusammen mit von Ankershoffens Firma Neofonie entwickelt hat.

04.10.2010

swi

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Samstag, 18. September 2010

Neues PR-Desaster bei WeTab

WeTab: Wird iPad-Konkurrent ein fulminanter Flop?



Heute lud die Neofonie GmbH zur offiziellen Vorstellung des WeTabs ein - ein Tablet aus Deutschland, das es zum Verkaufsstart in vier Tagen mit dem iPad aufnehmen soll. Wir konnten uns vor Ort einen Eindruck des Geräts verschaffen - allerdings nur an einigen Vorserienmodellen, und das obwohl das WeTab bereits ab nächster Woche im Handel erscheint. Vorab schon: In der präsentierten Form wird das WeTab ein totaler Flop.

Dauerbaustelle WeTab
Bei den gezeigten Testgeräten funktionierten selbst grundlegende Funktionen nicht: Der Touchscreen versagte bei einem Gerät wiederholt, ein anderes verweigerte den Zugriff auf USB-Sticks. Flash-Inhalte wurden gar nicht abgespielt, auch Multitouch war bei keinem der gezeigten WeTabs lauffähig. Selbst der Appstore war während der Präsentation nicht erreichbar. Wichtige Fingergesten, etwa das Zoomen, funktionierten auch nicht. Der WeTab-Sprecher Soult stellte lediglich fest, dass es sich hier um ein Vorseriengerät handele und versprach Nachbesserungen: "In der verkauften Version wird dieses Feature funktionieren."

CHIP Online meint
PR-Desaster in Reinkultur: Nur vier Tage vor Verkaufsstart funktioniert die Bedienung des Touch-Displays auf den gezeigten Geräten nur eingeschränkt, wichtige Funktionen, wie etwa die USB-Schnittstelle oder der Bewegungssensor, liefen nicht. Dass Neofonie lapidar feststellt, dass es sich bei den gezeigten Geräten um Vorserienmodelle handelt, ist unverständlich – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Hier entsteht der Eindruck, dass der Hersteller entweder deshalb kein fertiges Gerät zeigen kann, weil das WeTab unausgereift auf den Markt geworfen werden soll oder schwere logistische Fehlplanung herrscht. Fest steht: Das WeTab wirkt alles andere als ausgereift, weder Hardware, noch Software konnten uns überzeugen. Sollte das Gerät in diesem Zustand in den Laden kommen, wird es schnell wieder vom Markt verschwinden. Wir können Ihnen aufgrund dieser Tatsachen nach unserem derzeitigen Wissensstand nur vom WeTab abraten – greifen Sie lieber zum ausgereiften und dennoch nur unwesentlich teureren Apple iPad. Das funktioniert nicht nur, sondern macht richtig Spaß und Sie wissen, dass Sie kein halbgares Hightech-Produkt bekommen.

Die technischen Daten des WeTab
Der Tablet-PC hat einen 11,6-Zoll-Bildschirm, die Auflösung liegt bei 1366 x768 Pixel – damit ist es etwas größer als das iPad (9,7 Zoll). Anders als das iPad setzt Neofonie auf ein TN-Panel – deshalb sind die Farbqualität und Blickwinkel deutlich schlechter. Auf dem Bildschirm finden Sie Apps wie Youtube oder Wikipedia. Die Symbole lassen sich frei anordnen. Außerdem hat das WePad eine eingebaute Webcam (für Video-Chats), einen Kartenleser und USB-Anschlüsse für Tastaturen, Laufwerke und USB-Sticks. Der verbaute Intel-Atom-Prozessor taktet mit 1,66 Gigahertz. Es gibt das WePad in zwei Varianten: Das "kleine" WePad mit 16 GByte Flash-Speicher und WLAN, aber ohne 3G-Modem, wird 449 Euro kosten. Das "große" Modell mit 32 GByte Speicher, UMTS/HSDPA, GPS und Full-HD-Playback soll 569 Euro kosten.

Das Spitzenmodell des WePad soll die Wiedergabe von Inhalten in voller HD-Auflösung unterstützen. Zu diesem Zweck steht in dieser Ausbau-Variante ein HDMI-Port zur Verfügung. Die kleinere Variante des WePad wird die vom internen Bildschirm unterstützte Wiedergabe von Videos im HD-ready-Format (720p) ermöglichen.

Das WeTab wird mit dem von Intel und Nokia gemeinsam entwickelten Betriebssystem MeeGo betrieben. Das System basiert auf Linux und soll die Offenheit des WeTabs garantieren. Die Steuerung durch das Menü wird über eine Scrollleiste auf der rechten Seite erledigt – durch Webseiten können Sie entweder per Touchscreen scrollen, oder per Steuerleiste, die auf der linken Seite erscheint. Für alle, die ihr WePad dennoch erweitern wollen, sollen laut Hersteller dank Unterstützung des Android Market und zahlreichen selbstentwickelten Anwendungen mehr als 10.000 Apps zur Verfügung stehen. Zudem wird es einen "Experten-Modus" geben, der dem Nutzer uneingeschränkten Zugriff auf das System gestattet.  (mro)

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Montag, 21. Juni 2010

Ölkatastrophe: Weiteres PR-Debakel für BP #pr-gau #bp

Der britische Energieriese BP versinkt immer tiefer in Problemen um die Ölpest im Golf von Mexiko. Eine erneute Panne lähmte das Abpumpen ausströmenden Öls, der Beistand von Partnerunternehmen bröckelt. Zusätzlichen Zorn zog BP-Konzernchef Tony Hayward mit einem Segeltörn auf sich.

Lupe

 

HB LONDON/WASHINGTON. Im Kampf gegen die Ölpest kann der britische Energiekonzern BP die Serie von Pleiten, Pech und Pannen nicht stoppen. Das Absaugen des ausströmenden Öls im Golf von Mexiko musste am Samstag fast für einen halben Tag unterbrochen werden. Der Tanker Discoverer Enterprise stellte vermutlich nach einem Blitzschlag seinen Betrieb verübergehend ein. Als die Panne passierte, segelte BP-Konzernchef Tony Hayward gerade auf seiner Yacht "Bob" vor der englischen Küste.

Für die Teilnahme an einer Regatta um die Isle of Wight im Ärmelkanal erntete er beißende Kritik. Der republikanische US-Senator Richard Shelby nannte das Verhalten Haywards den "Gipfel der Arroganz". Hayward solle mit seiner Yacht lieber im Ölpest-Gebiet sein und "saubermachen". Kritik kam auch von Greenpeace. Der BP-Chef "reibt Salz in die Wunden" der Menschen, die mit den Folgen der Katastrophe leben müssen, sagte Greenpeace-Berater Charlie Kronick am Sonntag.

Das Weiße Haus in Washington kritisierte den Ausflug als "einen weiteren aus einer ganzen Reihe von PR-Ausrutschern und Fehlern". Der enge Vertraute von Präsident Barack Obama, Stabschef Rahm Emanuel, sagte dem US-Sender ABC: "Ich glaube, wir kommen alle zu dem Schluss, das Tony Hayward nicht vor einer Zweitkarriere als PR-Berater steht."

Und die Ölpest entwickelt sich auch für US-Präsident Barack Obama immer mehr zu einem PR-Desaster. Küstenbewohner von Louisiana bis Florida reagierten empört auf Berichte, dass Obama und Vizepräsident Joe Biden sich am Samstag in Washington bei einer Runde Golf entspannten. In Twitter-Diskussionen wurde ihr Verhalten mit dem von BP-Vorstandschef Tony Hayward verglichen.

Die sich ausbreitende Empörung über das Verhalten der Oberen spiegelte sich auch in Umfragen wider: Mehr als die Hälfte - 52 Prozent - der in einer Umfrage von AP-GfK befragten US-Bürger bezeichneten Obamas Krisenmanagement als unzureichend. Ein Fischer in Grand Isle in Louisiana, Dwayne Price, reagierte sarkastisch: "Es sieht so aus, als ob sich unsere Regierung und die Chefs von BP später drum kümmerten."

BP verteidigte seinen Chef. Haywards Ausflug sei sein erster freier Tag seit Beginn der Ölpest vor knapp neun Wochen gewesen, sagte ein BP-Sprecher. Hayward hatte nach Firmenangaben auch seinen Sohn mit an Bord, für den er zuletzt kaum Zeit hatte. Haywards Jacht "Bob" belegte bei der Regatta in ihrer Klasse den vierten Platz. Der Wert der 16 Meter langen Jacht beträgt einschlägigen Listen zufolge fast 700 000 Dollar (565 000 Euro).

"Wir können nicht einmal mehr zum Fischen rausfahren, und er geht zu Jacht-Rennen", schimpfte Küstenbewohner Bobby Pitre aus Louisiana. "Ich wünschte, wir könnten uns auch einmal einen Tag frei vom Öl nehmen." Mike Strohmeyer aus Louisiana sagte, Hayward sei "einfach gefühlskalt". "Ich denke, er sollte mit jemandem da draußen sein und versuchen, das Leck zu stopfen."

Auch wirtschaftlich wird es immer schwieriger für BP. Der US- Erdölkonzern Anadarko, Miteigentümer der gesunkenen Bohrinsel "Deepwater Horizon", geht auf Distanz zu seinem Partner und will Folgeschäden durch ausgelaufenes Öl nicht zahlen. Dafür komme nur der Energieproduzent auf, teilte der US-Konzern mit. BPs Maßnahmen und Krisenmanagement "verkörpern wahrscheinlich grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Missverhalten". Gemäß einer Klausel in einer gemeinsamen Vereinbarung müsse in solchen Fällen nur BP als Betreiber für Schäden haften. Die Briten wiesen dies zurück. Alle Kosten würden geteilt, auch die einer Ölpest.

Laut Medienberichten hat BP bei mehreren Banken Milliardenkredite angefragt, um die Folgekosten der Ölpest zu begleichen. Bislang hieß es, der Konzern sei finanziell stark genug. Die Ratingagenturen Fitch und Moody's stuften zuvor BPs Kreditwürdigkeit herab.

Unternehmensintern war der BP-Chef am Freitag aus der Schusslinie genommen worden. Das Tagesgeschäft im Kampf gegen die Ölpest wird nun von Bob Dudley übernommen, seit 2009 geschäftsführender Direktor des Ölkonzerns. Dies bedeute nicht, dass Hayward zurücktrete, betonte eine Unternehmenssprecherin. "Bis die akute Phase dieser Krise vorbei ist, bis das Leck geschlossen ist, ist Tony Hayward eindeutig zuständig für die Beantwortung dieser Krise."

Nach jüngsten Schätzungen fließen täglich 35 000 bis 60 000 Barrel (zwischen 5,5 und 9,5 Mio. Liter) Rohöl aus dem beschädigten Bohrloch in das Randmeer. Das Abpumpen von einem Teil des auslaufenden Öls erfolgt laut BP nun wieder planmäßig. Wie viel Öl aufgefangen wird, sagt BP nicht. Der Tanker kann täglich 18 000 Barrel auffangen.

 

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Sonntag, 18. April 2010

PR-Flop WePad: Der talentierte Mr. von Ankershoffen

Gefloppte Produktvorstellung: Beim Debüt des WePads ging vieles schief. Quelle: ReutersLupe

Gefloppte Produktvorstellung: Beim Debüt des WePads ging vieles schief. Quelle: Reuters

DÜSSELDORF. Geheimnisvoller als beim Technologieriesen Apple sollte es werden, niemand außer dem aufgeregten Mann mit dem schwarzen Anzug, dem roten Schal und den wirren Haaren durfte „es“ berühren. Das WePad, die deutsche Antwort auf das amerikanische Wunder-Tablet iPad, dessen Marktstart in Deutschland gerade gestern erst um einen Monat auf Ende Mai nach hinten verschoben wurde, weil man mit der Fertigung des Traums in Alu und Glas gar nicht hinterherkommt.

Zunächst lief alles gut für den Geschäftsführer der bis dato nahezu unbekannten Neofonie AG mit dem außergewöhnlichen Namen Helmut Hoffer von Ankershoffen. Als David im Kampf gegen Goliath hielt er die üblichen Reden, Powerpoint-Präsentationen, wichtige Testemonials von wichtigen Leuten. Doch dann kam der gefährliche Teil für den 37-Jährigen. Der Moment der Wahrheit, wenn die Szene das neue Spielzeug sehen will, rumspielen will, Knöpfe drücken.

Sein Kompagnon, Stefan Odörfer, er ist der Techniker von beiden, presste bei der Präsentation das WePad fest mit beiden Händen schützend auf den Tisch. „Können Sie das Gerät mal bedienen?“ kam die schüchterne Frage – „Nein.“ Stille. „Warum nicht?“ „Wir haben den Touchscreen deaktiviert, damit nicht jeder damit rumspielt.“ Aha. So ist das also.

Doch es kommt noch besser, wie ein Video, das über Youtube abgerufen werden kann, dokumentiert: Auf die erneute Bitte, das Gerät zu bedienen, lautete die Antwort nur „Ne, dafür müsste ich den Touchscreen“ aktivieren. Auf die Aufforderung hin „Dann machen Sie doch“, holte der überforderte Protagonist zum finalen Rettungsstoß aus: „Das will ich aber nicht.“ Eine Journalistin meint, jetzt müsste doch mal einer die versteckte Kamera herausholen. Doch von Scherz keine Spur. Die meinen das ernst.

Die Branche ist bestürzt. Ist das der Cargolifter der IT-Industrie?

Die Show des talentierten Mr. von Ankershoffen geht weiter. Es gab Preise für das WePad, Liefertermine, Ausstattungsdetails. Das WePad sei dem iPad durchaus ebenbürtig und übertreffe es in vielen Funktionen sogar, pries der Neofonie-Chef die eigene Entwicklung. Wo das iPad sich elegant und exklusiv gebe, solle die Berliner Variante vor allem nützlich und erschwinglich sein. Der deutsche Tablet-PC soll sogar mehr bieten als das iPad: Eine Kamera gehört zu seiner Ausstattung, Geräte wie externe Festplatten oder Drucker lassen sich anders als beim großen Bruder von Apple einfach per USB anschließen.

Und noch hielt der potemkinsche Tablet, selbst als Helmut Hoffer von Ankershoffen seinen Tablet-PC mit Linux-Betriebssystem verkrampft in die Kameras hielt. Da lief immer das gleiche automatische Programm ab, wie von Geisterhand gesteuert. Nur einmal tauchte auf dem Bildschirm diese teuflische Box auf. Was die zahlreichen Kameras verschiedener TV-Sender da aufzeichneten, bleibt zunächst unbemerkt: Es war eine Fehlermeldung, aber keine des freien Betriebssystems Linux, sondern von Microsoft-Windows. Zum Schluss wurden noch Äpfel mit WePad-Logo verteilt, wie neckisch.

Am nächsten Tag brach das Kartenhaus von Neofonie zusammen. „Oh Gott, es ist Windows!“ stand, in Rot auf einen abfotografierten Screenshot gekrakelt, im Internet, die Box säuberlich eingekreist. „Ja“, räumte man bei Neofonie ein, es war nur ein Demo-Video, abgespielt auf Windows. Warum? Das Gerät war im Zoll hängengeblieben, der Akku nicht geladen, aber das wollte niemand mehr wissen. Erwischt!

Die Branche ist bestürzt, das Gelächter schallend. Ist das der Cargolifter der IT-Industrie? Ist das WePad noch zu retten? „Ja“, springt Hans-Jürgen Werner von Intel Deutschland den beiden Unternehmern auf Anfrage zur Ehrenrettung bei. Er habe, genau wie der Intel-Europachef, das Vorgängermodell selbst in den Händen gehalten und mit dem echten Betriebssystem getestet. „Es lief gut“, sagt er.

Und Stefan Odörfer, der Partner des rotbeschalten von Ankershoffen und Gründer der 4tiitoo AG, sieht im Gespräch mit dem Handelsblatt ein, dass es wohl ein Fehler war, nicht auf einen anderen, späteren Termin auszuweichen. Genau das passiert jetzt ohnehin. Am 26. April kommt der große Entschuldigungsauftritt, quasi die Pressekonferenz 2.0. Der erste Comeback-Versuch noch vor dem Start. Immerhin, auch das ist eine Leistung. Den Rest testen wir noch mal am 26. April. Mit anfassen.

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Dienstag, 19. Januar 2010

» Peinlich, peinlich: "Süddeutsche Zeitung" kauft sich lobende Blogposts (Update)

Wie wenig überzeugt selbst überregionale deutsche Tageszeitungen noch von ihren eigenen Produkten sind, zeigt ein aktuelles Beispiel: Über den Schweizer Dienstleister Trigami kauft sich die Süddeutsche Zeitung derzeit Lob für ihre iPhone-App in Blogs und im iPhone-AppStore. Sicherheitshalber hat die Zeitung bei der entsprechenden Ausschreibung gleich mitgeliefert, was man an ihr besonders gutfinden sollte – könnte ja schließlich sein, dass man das selbst gar nicht bemerkt. Hinweis: Update am Ende des Artikels. Laut Trigami war es ein interner Fehler.

Über Trigami habe ich auch hier im Blog bezahlte Postings veröffentlicht – wenn sie thematisch passend waren und ich die Freiheit bekam, selbst über den Inhalt zu entscheiden. Das ist jetzt schon fast zwei Jahre lang nicht passiert, weil es schlichtweg keine passenden Ausschreibungen mehr gegeben hat.

Das Angebot der Süddeutschen hat mich in seiner Peinlichkeit dann doch noch mal überraschen können. Eine “Qualitätszeitung” kauft sich Bloggerlob? Ja, so ist es tatsächlich.

Bei Trigami nennt sich diese Werbeform “Advertorial”. Auf Deutsch heißt das schlicht: Der Kunde bestimmt, was im Posting des Bloggers steht. Oder wie Trigami es so treffend selbst beschreibt: “… redaktionelle Werbetexte, geschrieben von Bloggern, 100% positiv durch Inhaltskontrolle Ihrerseits.” Das muss die Zuständigen bei der Süddeutschen wohl überzeugt haben.

Wer als Blogger das Angebot der Süddeutschen annimmt, soll zunächst die iPhone-App der Zeitung herunterladen. Wozu das genau notwendig sein sollte, war mir auf den ersten Blick nicht so recht klar, denn nicht nur ein praktischer Lobeshymnen-Baukasten wird dem Blogger frei Haus geliefert (s.u.), auch passende Screenshots sind gleich dabei. Im Prinzip reicht das schon aus, um den gekauften Bericht zusammenzuschreiben. Eine eigene Meinung ist ja sowieso nicht gefragt. Aber es gibt diesen bemerkenswerten Hinweis im Beschreibungstext der Trigami-Ausschreibung:

Nach dem Runterladen der Gold Applikation müsst Ihr bitte einen möglichst positiven Kommentar im App Store hinterlassen

Interessant. Was Apple wohl dazu sagt? Ich werde mal nachfragen. Update: Pressesprecher Georg Albrecht hat mitgeteilt, dass es von Apple keinen Kommentar dazu gibt.

Damit die Blogger nicht lange rumrätseln müssen, was sie an der Süddeutschen und ihrer App bloß toll finden könnten, sind die Vorzüge der Zeitung, der Website sueddeutsche.de und der iPhone-App auch gleich schreibgerecht aufbereitet. Folgende “Vorteile des Produktes” soll man “aufzeigen”:

  • Die bekannt hohe journalistische Qualität von SZ und sueddeutsche.de kann jetzt auch komfortabel mit dem iPhone genutzt werden
  • sueddeutsche.de hat eine Meinung
  • sueddeutsche.de bezieht Stellung
  • sueddeutsche.de berichtet nicht nur, sondern kommentieret (sic!) das Geschehen sachkundig und professionell
  • die Autoren von sueddeutsche.de sind ihre Stärke
  • gutes Mittel zum Komplettieren des Informationsbedürfnisses des interessierten, modernen Menschen von heute
  • Man kann seinen Kollegen/Bekannten zeigen, dass man auf Qualität setzt

Erstaunlich bei alldem, dass sich ausgerechnet die Süddeutsche Bloggerlob einkauft, die mir in der Vergangenheit nicht gerade als internetfreundlich oder auch nur ansatzweise internetkompetent aufgefallen ist. Man denke da nur an den Ausspruch “Seuche Internet” oder die verblüffte Feststellung, dass Besucher einer Internetkonferenz Laptops dabei haben und auch nutzen.

Ich jedenfalls interpretiere die Trigami-Ausschreibung so, dass ein Blogger nicht auf den ersten Blick erkennen kann, was für eine überragende Qualität er mit der Süddeutschen geliefert bekommt, wenn man ihm die entsprechenden Lobhudeleien nicht ins Blog diktiert. Dafür gibt es zwei mögliche Ursachen wie mir scheint: Blogger sind zu dumm oder die Süddeutsche ist zu schlecht. Entscheidet selbst.

Wer sich für die Ergebnisse der Trigami-Ausschreibung interessiert, kann dieser Tage bei Google einfach nach süddeutsche iphone trigami suchen. Hier einige Beispiele:

Damit will ich nicht die Blogger bloßstellen, die das Angebot angenommen haben. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Und immerhin müssen schon aus rechtlichen Gründen alle gekauften Texte mit einem “Anzeige”-Hinweis versehen sein, so dass Leser sehen können, womit sie es zu tun haben. Peinlich finde ich solche Postings aber für die “Qualitätszeitung” Süddeutsche, die sich auf diese Weise offenbar Blogposts und Bewertungen in Apples AppStore einkauft.

Update

Wie Remo Uherek von Trigami in diesem Kommentar schreibt, war es ein interner “Kommunikations-Fehler”, dass die Kampagne der Süddeutschen als “Advertorial” gestartet wurde. Ein Advertorial verspricht “100% positiv” zu sein. Freie Meinungsäußerung ist hingegen in der “Text-Review” möglich. Zuvor hatte Peter Bilz-Wohlgemuth von der Süddeutschen in diesem Kommentar darauf hingewiesen, “dass wir mitnichten „lobende Blogposts“ haben wollen”.

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Das könnte ein ernstes Thema für den Presse- und PR-Rat werden...

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